Das Diakonissen-Mutterhaus in Neuendettelsau um 1855.

Die Wurzeln der Gemeindediakonie Lauf in Neuendettelsau

Wilhelm Löhe beschreibt im Jahre 1858 im Correspondenzblatt der Diaconissen von Neuendettelsau den Werdegang einer Diakonisse wie er ihn sich vorstellt. Acht Stufen legt er dabei fest: „Werde zuallererst eine Magd und lerne alle häuslichen Geschäfte vom geringsten bis zum schönsten vollkommen“. In den nächsten Schritten sieht Löhe die Arbeit mit Kindern in der Kindererziehung, dann als Kleinkinderlehrerin in den entsprechenden Einrichtungen, hierauf folgt der Schritt zur Schullehrerin. Die Arbeit im Rettungshaus siedelt Löhe noch höher an, dann folgt die Krankenpflege. Einen Schritt weiter steht die Arbeit mit Menschen mit Behinderung an und am obersten Ende der Stufenleiter steht die Gemeindediakonisse. Löhe hält dazu einfach fest: „Nach diesen allen werde, wenn du kannst, eine Gemeindediakonissin“. Die Arbeit in der Gemeinde umfasste alle diese verschiedenen Tätigkeiten, so sah es Löhe. Die Diakonisse musste sozusagen in allen Bereichen ausgebildet sein und entsprechende Berufserfahrung gesammelt haben, ehe sie in die Gemeindearbeit wechseln konnte. Die Betreuung einer Gemeindestation erforderte ein hohes Maß an Flexibilität von den Diakonissen: Von der Seelsorge, pflegerischen Tätigkeit, Kindererziehung bis hin zur einfachen Haushaltsführung reichte das Aufgabenspektrum einer Gemeindediakonisse.(…) Löhe sah sehr genau, welche Möglichkeiten einer Gemeindediakonisse zur Verfügung standen. Sie war im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort und hatte die Möglichkeit ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Sie konnte durch ihr vorgelebtes christliches Leben viele Menschen ansprechen und durch ihren Einsatz natürlich auch vielen Menschen helfen. In den nächsten Jahren baute sich dieser Arbeitszweig der Diakonissenanstalt allmählich weiter aus. Die Gemeindediakoniestation im heutigen Sinne war zu diesem Zeitpunkt allerdings auch erst im Entstehen begriffen. Dies verdeutlicht der Blick in den Jahresbericht 1888. Dort werden nun bereits 17 eigenständige Gemeindestationen aufgeführt, welche explizit eigenständige Einrichtungen der jeweiligen Kirchengemeinde waren. 

Text: diakonieneuendettelsau.de

Chronik in Kurzfassung „Zeitstrahl“

1994-2019 Chronik zum 125 Jährigen in ausführlicher Form

Die Feiern zum 100-jährigen Jubiläum waren gelungen und vorbei, und der Verein für Gemeindediakonie e.V. Lauf wurde in den Jahren 1994/1995 vor neue große Herausforderungen gestellt:

Einführung der Pflegeversicherung

Die Einführung der Pflegeversicherung in der ambulanten Pflege und deren Vorschriften zum 1. April 1995 machten einschneidende organisatorische und personelle Veränderungen nötig. 

  • Im Januar 1995 wurde der erste Computer für die Diakoniestation angeschafft. 
  • Die Abrechnung der Leistungen und das Rechnungswesen wurden ab  Januar 1995 außer Haus an das Diakonische Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt als Dienstleister gegeben. 
  • Ein neues Dokumentationssystem wurde eingeführt und die gesamte Verwaltung auf die Erfordernisse und Vorschriften der Pflegeversicherung umgestellt.
  • Im Januar 1995 eine Pflegedienstleitung mit entsprechender Qualifikation eingestellt.
  • Neue Mitarbeiter/innen konnten gewonnen werden, da von den bisherigen Pflegekräften nicht alle den von den Diakonievereinsvorständen vorgegebenem Weg mitgehen wollten.
  • Unter anderen wurden Frau Monika Ritter, Dipl.-Soz.-Päd., Altenpflegerin und spätere Pflegedienstleitung, und Frau Karin Schabesberger, Altenpflegerin und spätere stellvertretende Pflegedienstleitung, zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Beide sind bis heute in diesen Positionen tätig. 

Kooperation mit dem Diakonieverein Schnaittach-Osternohe e.V.

Gleichzeitig mit der Einführung der Pflegeversicherung wurde ein Kooperationsvertrag mit dem Diakonieverein Schnaittach-Osternohe e.V. geschlossen und der Pflegedienst in der Verantwortlichkeit und Verwaltung zusammengelegt. Die Kooperation nannte sich ab 1. April 1995 „Diakoniestation Lauf-Schnaittach“.

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Im Dezember 1995 wurden die Leistungsabrechnung mit den Kostenträgern und einige Zeit später das Rechnungswesen wieder in die eigene Verantwortung zurückgeholt und mit den neu angeschafften EDV-Programmen bearbeitet.

Tagespflegeeinrichtung

Nach der Bewältigung dieser Herausforderungen konnte ein neues Projekt angegangen werden: Die Gründung einer Tagespflegeeinrichtung, in der alte, kranke und auch demente Menschen den Tag über in familiärer und freundlicher Atmosphäre versorgt werden.

Frau Gerti Birner, Mitglied im Vorstand des Diakonievereins, wurde ab Juni 1996 angestellt und mit den Vorbereitungsaufgaben für die Gründung einer Tagespflegeeinrichtung betraut. Genehmigungen wurden eingeholt, Gespräche mit bereits bestehenden Einrichtungen geführt und die Ausstattung musste geplant und angeschafft werden.

Am 6. November 1996 war es dann so weit: Die ersten Besucher/innen der neuen Tagespflege konnten in den Räumen der Diakoniestation in der Mühlgasse in Lauf begrüßt werden. Gestartet wurde zunächst mit nur einem Tag in der Woche und bei stets steigender Nachfrage konnte bald schon die ganze Woche der Betrieb aufgenommen werden. 

Team im Jahr 1995 vor dem Haus Mühlgasse

17.02.1998 Richtfest heutige Station in der Herbrucker Str 23b

April 1999 Einweihung des neuen Hauses der Diakonie mit Festgottesdienst und Tag der offenen Tür2.Vors Siebel, Pfr Kroninger, Karin Herzog, Monika Ritter, Dekan Matthias Oursin, Architekt Bär

Haus der Diakonie, Hersbrucker Str. 23b

Bald war der Platz in der Mühlgasse zu beengt und bereits im Jahr 1996 wurden erste Pläne für den Bau eines neuen Hauses angedacht. Ein Grundstück dafür war durch das großzügige Vermächtnis der Frau Margarte Simeth mitten im Stadtkern von Lauf bereits vorhanden:

Der Garten hinter dem Anwesen in der Hersbrucker Straße 23 war dafür wie geschaffen und hat die Finanzierung das Vorhabens erheblich erleichtert, da keine Ausgaben für den Baugrund anfielen.

Unter der Federführung des 1. Vorsitzenden des Diakonievereins, Herrn Pfarrer Matthias Oursin, und dessen Stellvertreter, Herrn Gottfried Siebel, wurden erfolgversprechende Gespräche mit Politikern und Verwaltungen geführt und entsprechende Zusagen für Fördergelder eingeholt. Die Stadt Lauf unter 1. Bürgermeister Rüdiger Pompl, der Lankreis Nürnberger Land, der Bezirk Mittelfranken und einige Kommunen und  Kirchengemeinden im Einzugsgebiet des Vereins für Gemeindediakonie haben den Bau finanziell gefördert und damit erst möglich gemacht.

Die Planung und Bauleitung lag in den Händen von Herrn Architekt Werner Bär aus Ottensoos.

Die Grundsteinlegung konnte bereits am 6. November 1997 gefeiert werden. Der milde Winter 1997/1998 erlaubt einen schnellen Baufortschritt. Am 17. Februar 1998 konnte das Richtfest gefeiert werden und nach nur verhältnismäßig kurzer Bauzeit war es dann soweit: Am 5./6. Dezember 1998 zog die Diakoniestation von der Mühlgasse 11 in die Hersbrucker Straße 23b in großzügige, helle, modern ausgestattete Räume:

Für die Tagespflegeeinrichtung stehen im Erdgeschoß ein großer Wohnraum, Ruheräume, ein Pflegebad und eine Küche zur Verfügung. Eine großzügige, sonnige Terrasse gibt Raum für Aktivitäten im Freien. Im Keller sind die Wirtschafts- und Vorratsräume ausreichend vorhanden.

Die Anlaufstelle für die Pflegekräfte in der ambulanten Pflege und die Verwaltungsbüros befinden sich im Obergeschoss. Hier ist zunächst außerdem ein Büroraum an die Albrecht-Franz-Stiftung vermietet.

Im Untergeschoss werden Räume für die Beratungsstellen des Diakonischen Werkes Altdorf-Hersbruck-Neumarkt vermietet, die bis zu diesem Zeitpunkt im Bungalow der verstorbenen Frau Margarete Simeth in der Hersbrucker Str. 23a ihre Beratungsräume hatten.   

Der damit freiwerdende Simeth-Bungalow wird nun als Dienstwohnung an die Pflegedienstleitung vermietet.

Seit 24.03.1998 ist als 1. Vorsitzender des Vereins für Gemeindediakonie Herr Pfarrer Rainer Kroninger im Amt, nachdem Herr Pfarrer Matthias Oursin die Dekanstelle in Ansbach angetreten hat.

Im April 1999 wird ein fröhliches, sehr gut besuchtes Einweihungsfest für das neue „Haus der Diakonie“ gefeiert. Ein von Pfarrer Rainer Kroninger zusammen mit den Diakoniemitarbeiter/innen gestalteter Zeltgottesdienst, Auftritte von Posaunenchören der uns angegliederten Kirchengemeinden, Verpflegung der Besucher durch die Vereinsvorstände und ein Tag der offenen Tür machten den Tag unvergessen. 

Gründung der Diakonie Unteres Pegnitztal gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Unter der Führung von Herrn Pfarrer Kroninger werden ab Frühjahr 1999 Gespräche wegen der Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit den Verantwortlichen des Evangelisch-Lutherischen Diakonievereins Rückersdorf-Röthenbach, Herrn Pfarrer Christoph Jäschke, Herrn Gerhard Eitner und Herrn Volker Franke, geführt.

Schnell ist man sich über die Vorteile einer Zusammenführung der beiden Nachbar-  Diakonievereine einig. Im November 1999 wird die Gründung der „Diakonie Unteres Pegnitztal gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ notariell beurkundet. Die beiden Diakonievereine sind zu gleichen Teilen an dieser Gesellschaft beteiligt und berufen jeweils vier Mitglieder aus den Vereinsvorständen in den Beirat der Gesellschaft. Die Geschäftsführung wird Frau Karin Herzog übertragen.

So konnte ab 1. Januar 2000 der Dienst der Diakoniestationen Lauf-Schnaittach und Rückersdorf-Röthenbach unter dieser Rechtsform starten.

Das Haus der Diakonie wird an die Diakonie Unteres Pegnitztal gGmbH vermietet. Die Immobilien des Vereins für Gemeindediakonie bleiben in dessen Besitz. 

Die Verantwortung für den laufenden Dienst war damit vom Vereinsgeschehen weitgehend abgegeben an die Geschäftsführung der Diakonie Unteres Pegnitztal gGmbH. Der Beirat beschließt über den Stellen-, Wirtschafts- und Investitionsplan der Gesellschaft und berichtet darüber in den jeweiligen Vorstandssitzungen der Diakonievereine Lauf und Rückersdorf-Röthenbach. Die Verwaltung der Immobilien bleibt weiterhin in der Verantwortung des Diakonievorstandes.

Verschmelzung mit dem Diakonieverein Schnaittach-Osternohe e.V.

Der Diakonieverein Schnaittach-Osternohe e.V. strebte zum gleichen Zeitpunkt die Verschmelzung mit dem Verein für Gemeindediakonie e.V. Lauf an. Der Dienst wurde seit  1. April 1995 in Kooperation erbracht, so dass die doppelten Vereinsstrukturen für beide Diakonievereine  einen hohen Verwaltungsaufwand und zeitlich lange Entscheidungswege bedeuteten. Am 13. April 2000  fand die von Herrn Pfarrer Martin Voß für den Schnaittach-Osternoher und Herrn Pfarrer Rainer Kroninger für den Laufer Diakonieverein geleitete  Verschmelzungsversammlung statt, bei der die Mehrzahl der anwesenden Vereinsmitglieder dem Vorhaben zustimmten.

Diakonisches Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt

Das Mietverhältnis im Haus der Diakonie mit dem  Diakonischen Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt endet zum 30.  September 2002. Die Beratungsstellen ziehen in großzügigere Räume in ein Anwesen am Marktplatz um.

Die Diakonie Unteres Pegnitztal gGmbH ist in den letzten Jahren stark gewachsen und braucht mehr Räume im Haus. Sie nutzt von diesem Zeitpunkt an auch die Räume im UG als Lager- und Umkleideräume.

Albrecht-Franz-Stiftung

Durch die freiwerdenden Räume wechselt die Albrecht-Franz-Stiftung in einen Büroraum im Untergeschoß und macht damit im Obergeschoß Platz für die wachsenden Verwaltungsaufgaben der Diakoniestation. 2019 zieht die Albrecht-Franz-Stiftung in ein eigenes Büro in der Kupfergartenstraße.

Veränderungen im Vereinsvorstand

Herr Pfarrer Rainer Kroninger wechselt im Jahr 2001 die Stelle und scheidet aus dem Vorstand aus.

In der Mitgliederversammlung am 13.11.2001 wird Herr Pfarrer Friedhelm Beck zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im Sommer 2015 geht dieser in den Ruhestand.

Am 21. Oktober 2015 wählte die Mitgliederversammlung seinen Nachfolger für die erste Pfarrstelle in Lauf, Herrn Pfarrer Jan-Peter Hanstein, zum 1. Vorsitzenden.

Grundstückskauf Hersbrucker Str. 27

Die Dienstfahrzeuge der Diakoniestation wurden seit dem Umzug in die Hersbrucker Strasse im benachbarten Parkhaus Simonshofer Strasse abgestellt. Während der langen Renovierungszeit des Parkhauses wurde nach einer Parkmöglichkeit für den inzwischen auf 19 Fahrzeuge angewachsenen Fuhrpark gesucht und mit dem brachliegenden Grundstück Hersbrucker Str. 27 auch gefunden. Nach grundsätzlichen Überlegungen entschloss sich der Vorstand zum Kauf dieses Grundstückes in der Nachbarschaft.

Im Jahr 2017 wurde der Platz mit Pflastersteinen befestigt und mit Carports in Holzbauweise bebaut. Im Oktober 2017 waren die Unterstellplätze fertiggestellt und an die Diakonie Unteres Pegnitztal gGmbH vermietet.

Weitere Veränderungen des Immobilienbesitzes:

Dezember 2001

Verkauf des Anwesens Lauf, Mühlgasse 11

Februar 2008

Verkauf eines Teilstückes des Grundstückes Beethovenstrasse/Händelstraße für soziale Zwecke

Der Vorstand des Vereins hat im Jubiläumsjahr folgende Mitglieder:

Pfarrer Jan-Peter Hanstein, 1. Vorsitzender
Ulrike Walser-Auernheimer, 2. Vorsitzende
Dieter Naßler, Schriftführer
Karin Sußner, Kassiererin

Beisitzer:
Anneliese Adlung
Benedikt Bisping, 1.
Bürgermeister Lauf
Mechthild Hohnbaum
Fritz Blanz, Lauf
Marianne Semlinger
Dr. Andreas Tiedtke, Lauf

Stabübergabe Vorstand Siebel Pfr Kroninger – Pfr Beck